• In diesem Jahr war ich mehrmals in Frankreich und entdeckte bei der Gelegenheit einen Autor, den ich bisher komplett ignoriert hatte. Mit Recht, wie der Mann meiner Besta meint, der kein gutes Haar an diesem vielseitigen Erfolgsschreiber lässt. Marc Lévy heißt er und mein erstes Buch "C'est arrivé la nuit".

    Wenn ich das Projekt richtig verstehe, will Marc Lévy eine Reihe von neun Romanen schreiben. Es geht nämlich um eine Gruppe von neun Menschen mit festen politischen Überzeugungen und enormen Kenntnissen im Hacken von Computersystemen, sie alle leben an unterschiedlichen Orten der Warten auf die nächsten sieben BändeWelt und haben sich noch nie persönlich getroffen. Das ändert sich bereits im zweiten Band "Le crépuscule des fauves", wo sich die meisten von ihnen in der Ukraine treffen. Das Buch wurde im Januar 2022 vor dem Krieg erstveröffentlicht und zeugt von enormer politischer Weitsicht wie auch von guter Recherche im Bereich internationaler Wirtschaftsverflechtungen und digitaler Möglichkeiten.

    Ich hatte nach dem ersten Band nicht sofort die Gelegenheit, mir den zweiten zu kaufen und suchte daher auf Amazon nach anderen Büchern von Marc Lévy. Dabei stellte ich fest, dass er tatsächlich ein Vielschreiber ist und gern auch Themen bedient, die mich kein bisschen interessieren, Liebe und solchen Quatsch. Bis zu dem Punkt muss ich der Kritik meiner intellektuellen Freunde wohl zustimmen.

    Aber die neue Reihe gefällt mir und ich warte darauf, dass der dritte Band "NOA" als Taschenbuch erscheint. Nicht aus Geiz, sondern damit sich am Ende alle Neune gefällig nebeneinander aufreihen. Zum Glück schreibt Marc Lévy ja wohl schnell und hat einen Plan.


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  • Biedermeierliche Frisur statt offenem HaarHochgeschätzt im Münsterland und beliebt überall im Lande, begehen wir in diesem Januar den 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff. Die Deutsche Post hat dazu eine Sondermarke herausgebracht mit dem Gemälde von Johann Sprick und einem ziemlich verstümmelten Gedichtzitat.

     

    Am Turme

     Annette von Droste-Hülshoff (1842)

    Ich steh' auf hohem Balkone am Turm,

    Umstrichen vom schreienden Stare,

    Und lass' gleich einer Mänade den Sturm

    Mir wühlen im flatternden Haare;

    O wilder Geselle, o toller Fant,

    Ich möchte dich kräftig umschlingen,

    Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand

    Auf Tod und Leben dann ringen!

     

    Und drunten seh' ich am Strand, so frisch

    Wie spielende Doggen, die Wellen

    Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,

    Und glänzende Flocken schnellen.

    O, springen möcht' ich hinein alsbald,

    Recht in die tobende Meute,

    Und jagen durch den korallenen Wald

    Das Walroß, die lustige Beute!

     

    Und drüben seh ich ein Wimpel wehn

    So keck wie eine Standarte,

    Seh auf und nieder den Kiel sich drehn

    Von meiner luftigen Warte;

    O, sitzen möcht' ich im kämpfenden Schiff,

    Das Steuerruder ergreifen,

    Und zischend über das brandende Riff

    Wie eine Seemöve streifen.

     

    Wär’ ich ein Jäger auf freier Flur,

    Ein Stück nur von einem Soldaten,

    Wär’ ich ein Mann doch mindestens nur,

    So würde der Himmel mir raten;

    Nun muß ich sitzen so fein und klar,

    Gleich einem artigen Kinde,

    Und darf nur heimlich lösen mein Haar,

    Und lassen es flattern im Winde!

     

     

     


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  • Christina Rossetti: A Dirge

     Gefälltes Wahrzeichen   
     
     
     
     
     
    Why were you born when the snow was falling?
    You should have come to the cuckoo’s calling,
    Or when grapes are green in the cluster,
    Or, at least, when lithe swallows muster
    For their far off flying
    From summer dying.
     
    Why did you die when the lambs were cropping?
    You should have died at the apples’ dropping,
    When the grasshopper comes to trouble,
    And the wheat-fields are sodden stubble,
    And all winds go sighing
    For sweet things dying.
     

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  • Vom Eise befreit  sind Strom und Bäche 

     

    Vor dem Tor

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
    Im Tale grünet Hoffnungsglück;
    Der alte Winter, in seiner Schwäche,
    Zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dort her sendet er, fliehend, nur
    Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    In Streifen über die grünende Flur.
    Aber die Sonne duldet kein Weißes,
    Überall regt sich Bildung und Streben,
    Alles will sie mit Farben beleben;
    Doch an Blumen fehlts im Revier,
    Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

    Kehre dich um, von diesen Höhen
    Nach der Stadt zurück zu sehen!
    Aus dem hohlen finstern Tor
    Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heute so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
    Denn sie sind selber auferstanden:
    Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
    Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
    Aus der Straßen quetschender Enge,
    Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    Sind sie alle ans Licht gebracht.

    Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
    Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
    Wie der Fluß in Breit und Länge
    So manchen lustigen Nachen bewegt,
    Und, bis zum Sinken überladen,
    Entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges fernen Pfaden
    Blinken uns farbige Kleider an.
    Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
    Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
    Zufrieden jauchzet groß und klein:
    Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

     

    (Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

     


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  • Ein Buch, dass ich nicht weiterlesen und auch nicht aufbewahren werde:

    Die Giraffe von Marie Nimier.

    Die GiraffeIch besitze die Übersetzung, nicht das Original. aber daran liegt es nicht. Das Buch steht schon eine Weile im Regal herum und war vermutlich mal in einem Bücherpaket. Suhrkamp spricht für Qualität, und in der Tat ist Marie Nimier eine sehr produktive und preisgekrönte Autorin.
    Das Buch liest sich ganz locker, es ist der Inhalt, der mich immer mehr abstößt, je weiter ich lese. Auf Seite 57 habe ich Schluss gemacht, was auch immer noch kommen mag, ich will es nicht wissen und finde auch keine Bezugspunkte in der Realität.

    Der Protagonist und Ich-Erzähler ist Joseph, ein schmächtiger 19jähriger, der schon zu Beginn unsympathisch wirkt, weil manipulativ und mit einem krankhaften, überwiegend sadistischen Verhältnis zu Tieren.
    Als er für einen Tiergarten in Paris eine Giraffe im Hafen von Marseille abholen soll, erregt ihn der faulige Gestank ihrer Exkremente. Der erste Satz im Roman legt nahe, dass er die Giraffe später tötet, ohne dass jemand den Mord realisiert.
    Danach geht es im Zoo weiter mit Voyeurismus, Masturbation, angedeuteter Pädophilie und Pornographie, aber alles irgendwie absurd. Mir erscheinen diese Szenen als Selbstzweck, was auch immer die Autorin sich dabei gedacht hat, es war keine gute Idee, denke ich. Aber ich habe jetzt einen freien Platz im Regal. Will jemand das Buch?


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