• Erdogans Reich

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     Andrer Bürger:

    Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
    Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
    Wenn hinten, weit, in der Türkei,
    Die Völker aufeinander schlagen.
    Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
    Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
    Dann kehrt man abends froh nach Haus,
    Und segnet Fried und Friedenszeiten.

    Dritter Bürger:

    Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn:
    Sie mögen sich die Köpfe spalten,
    Mag alles durcheinander gehn;
    Doch nur zu Hause bleib's beim alten.

    Goethe, Faust I, Osterspaziergang


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  • Was ist die Welt?   (Hugo von Hofmannsthal, geboren am 1. Februar)

    Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,Verhallt, verloschen und verblüht
    Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
    Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
    Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

    Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
    Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,
    Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,
    Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

    Und doch auch eine Welt für sich allein,
    Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,
    Begabt mit eigner, unentweihter Schöne, 

    Und keines Andern Nachhall, Widerschein.
    Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,
    Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.


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  • Pierre Bergé, der Lebensgefährte von Yves Saint-Laurent, verkauft seine Bibliothek, darunter auch ein Manuskript von André Bretons "Nadja". Ich habe nur das Taschenbuch, aber vielleicht leiht mir jemand die angesetzten 2,5 bis 3,5 Millionen.

     


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    Stufen

     

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

     

    Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

    In andre, neue Bindungen zu geben.

     

    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

     

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

    An keinem wie an einer Heimat hängen,

    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

    Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

     

    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

     

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

    Uns neuen Räumen jung entgegensenden,

    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

     

    Hermann Hesse


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  • Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 293

     

    Früchte

    Aber was der griechischen Landschaft ihre Physiognomie verleiht, ist nicht die Baumwelt, sondern das kurzbeinige Geschlecht der Sträucher und Büsche, das die Lehnen der Mittelgebirge und ihre Vorhügel, die Felsen der Küsten, die Ränder der Schluchten und alle Wasserrinnen das ganze Jahr hindurch mit leuchtendem Blattgrün bekränzt und im Frühling mit zahllosen Sträußen milchweißer und rosenroter, goldgelber und feuerfarbener Blüten bestreut. Dem Apoll war der Lorbeer heilig, dem Dionysos der Efeu, der Aphrodite die Myrte. Sie schmückte schon im grauesten Altertum die Braut, fand aber auch prosaischere Verwendung als Digestiv und als Zutat der leckeren Myrtenwurst. Auch der Lorbeer wurde als Würze der Saucen und Ruhmestaten schon ebenso überschätzt wie 596 heutzutage. Unter den obsttragenden Gewächsen waren für die Griechen nur Feigenbaum, Weinstock und Ölbaum von größerer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Birnen und Äpfel gediehen schlecht. Der Apfel des Paris ist ein Granatapfel; aber auch diese Frucht war mehr zur Augenweide vorhanden, denn sie gelangt nur in östlicheren Gegenden zu ihrem vielgepriesenen Wohlgeschmack. Pflaume und Kirsche wurden nicht veredelt; auch der Nußbaum wuchs meist wild. Die goldenen Äpfel der Hesperiden waren Quitten. Diese sind in ganz frischem Zustand nicht gerade ungenießbar; aber manche griechischen Köche verstanden es bereits, aus ihnen durch Zusatz von Wein und Honig köstliche Konfitüren zu bereiten. Die Dattelpalme, die sehr viel Hitze verträgt, aber auch sehr viel Feuchtigkeit verlangt (der Araber sagt: sie taucht ihr Haupt in Feuer und ihre Füße in Wasser), bringt in Griechenland keine Früchte mehr hervor und wurde dort nur als bestaunte Kuriosität gepflanzt: an einigen Heiligtümern, unter anderem auf der Insel Delos zu Ehren Apolls; Palmzweige dienten als Siegeszeichen. Odysseus, der auch als gestrandeter Bettler ein vollendeter Kavalier bleibt, begrüßt Nausikaa mit dem ausgesuchten Kompliment, sie flöße ihm die gleiche Bewunderung ein wie der »Sproß des Phoinix« auf Delos, »denn nicht trägt ein solches Gewächs sonst irgend die Erde«.

    Dem Feigenbaum hingegen sagte das trockene Klima Griechenlands gerade besonders zu. Die Griechen liebten seine Früchte leidenschaftlich und erzählten sich, Xerxes habe sich täglich attische Feigen vorsetzen lassen, um daran erinnert zu werden, daß das Land, das sie hervorbringe, noch nicht sein sei. Er hätte sie aber in noch weit vorzüglicherer Qualität aus Smyrna bekommen können, das ihm bereits gehörte. Es gab zwei Hauptsorten, die schwarzen und die weißen, die aber eigentlich dunkelrot und grünlich waren. Die süßeren weißen eigneten sich mehr zum Trocknen, die schwarzen wurden meist 597 frisch verzehrt. Die wilden Arten wucherten malerisch aus den Spalten alter Mauern und verwitterter Felsen.

    Von den Weinen gab es zahllose Sorten. Sie waren, mit Ausnahme der gewöhnlichen Landweine, sehr schwer und feurig und meist süß; als die edelsten galten die Inselmarken. Schon den Kindern gab man Wein; Phoinix, der den kleinen Achilleus aufzieht, schneidet ihm das Fleisch vor und reicht ihm den Becher an den Mund, aber der Heros, der schon damals recht ungebärdig war, spuckt das Getränk wieder aus. Um die Weine haltbarer zu machen, versetzte man sie mit allerlei Zutaten, die für unsere Geschmacksbegriffe etwas befremdend sind: Zypressennadeln, zerriebene Myrtenbeeren, Galläpfel; vor allem harzte man sie sehr stark, und dies tut der Grieche noch heute. Doch erklären eingelebte Reisende, daß man später nicht versteht, wieso man den griechischen Wein ungenießbar finden konnte. Die Alten kannten auch schon den Essig; man erzeugte ihn, indem man einfach Wein an der Luft sauer werden ließ. Er hieß oxos (die Russen gebrauchen noch heute das Lehnwort uksus), und wie bekannt er war, zeigen die vielen Ableitungen und Zusammensetzungen im Griechischen: »Essigflasche«, »Essighändler«, »Mischung aus Öl und Essig«, »Trank aus Honig und Essig«, »nach Essig schmecken« und andere; einen Menschen mit einem sauren Gesicht nannte man oxynes. Man verwendete den Essig auch schon zum Einlegen, desgleichen das Öl. Andere bereits im Altertum übliche Konservierungsmethoden waren das Räuchern, das Einsalzen und der Luftabschluß. Die Korinthe, eine kernlose Rebenart, heute einer der wichtigsten griechischen Exportartikel, ist unantik. Sie führt ihren Namen daher, daß sie zuerst von den Venetianern bei Korinth gezüchtet wurde, und kann unter der ewigen griechischen Sonne gleich an Ort und Stelle getrocknet werden.


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