• Ein Buch, dass ich nicht weiterlesen und auch nicht aufbewahren werde:

    Die Giraffe von Marie Nimier.

    Die GiraffeIch besitze die Übersetzung, nicht das Original. aber daran liegt es nicht. Das Buch steht schon eine Weile im Regal herum und war vermutlich mal in einem Bücherpaket. Suhrkamp spricht für Qualität, und in der Tat ist Marie Nimier eine sehr produktive und preisgekrönte Autorin.
    Das Buch liest sich ganz locker, es ist der Inhalt, der mich immer mehr abstößt, je weiter ich lese. Auf Seite 57 habe ich Schluss gemacht, was auch immer noch kommen mag, ich will es nicht wissen und finde auch keine Bezugspunkte in der Realität.

    Der Protagonist und Ich-Erzähler ist Joseph, ein schmächtiger 19jähriger, der schon zu Beginn unsympathisch wirkt, weil manipulativ und mit einem krankhaften, überwiegend sadistischen Verhältnis zu Tieren.
    Als er für einen Tiergarten in Paris eine Giraffe im Hafen von Marseille abholen soll, erregt ihn der faulige Gestank ihrer Exkremente. Der erste Satz im Roman legt nahe, dass er die Giraffe später tötet, ohne dass jemand den Mord realisiert.
    Danach geht es im Zoo weiter mit Voyeurismus, Masturbation, angedeuteter Pädophilie und Pornographie, aber alles irgendwie absurd. Mir erscheinen diese Szenen als Selbstzweck, was auch immer die Autorin sich dabei gedacht hat, es war keine gute Idee, denke ich. Aber ich habe jetzt einen freien Platz im Regal. Will jemand das Buch?


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  • Den Büchner-Preis 2020 erhält Elke Erb, deren Namen ich bisher nur marginal gehört hatte, dabei ist sie jetzt schon 82, der Preis kam für sie wohl nicht zu früh. Liegt es daran, dass sie in der DDR lebte, obwohl in der Eifel geboren? Allerdings ist es nicht ihr erster Preis, so bekam sie zum Beispiel 1994 die Rahel-Varnhagen-von-Ense-Medaille.

    Ich habe heute ein paar ihrer Gedichte gelesen und sogar Unterrichtsmaterial für meinen neuen Leistungskurs gefunden zum Thema "Unterwegs sein".

    Wenn Erb sich ein bisschen mit dem lyrischen Ich identifiziert, ist dies eine Kindheitserinnerung aus der Eifel.

    Wolken darüber. ich weiß nur das eine

    Algarve 16. August 1977Ich gehe neben dem Rad.
    Der Wagen ist höher als ich.
    Er fährt eine hohe Fracht.

    Dahinter die Giebel stehn
    zart mit der Luft.

    Sie schließen die Dächer.

    So steigt es rechts von mir weiter.
    Dann endet es, aber rechts vorn
    ragt der Kastanienbaum.

    Ein Landweg, im Dorf, eine
    Dorfstraße, unsere.

    Die Fuhre fährt hinaus.
    Der Fuhrmann auf seinem Kutschbock?
    Blickt lustig. Die Ochsen blicken wie Ochsen.

    Ich blicke ernst.
    Wer entgegen kommt, sieht es.

    Ich bin eine Achtjährige.
    Der Fuhrmann - im Alter des Fuhrmanns.
    Die Ochsen sind ihr Teil Ochsen.

    Neben meiner Schläfe rechts
    das Trapez der hölzernen Wagenwand.

    Links - nichts, der Garten; entfernt,
    wo er endet, das Elternhaus.

    Ich gehe mit der Fracht.
    Der Fuhrmann blickt verschmitzt.
    Unter dem Mützenschirm

    die ewigen Lachfältchen.

    Ich bleibe neben dem Rad,
    als sei ich es, die ab und zu
    achtsam die Zügel bewegt.

    Unter den Schwingen, was ist.
    Ein sachter Flug.

     

    30.11.1997 / 23.1.1998


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  • Eine meiner liebsten Krimiserien war die Inspektor Jury-Reihe, bis Martha Grimes anfing, komische Bücher mit seltsamen Tierschützerinnen zu schreiben und Jury zu vernachlässigen.

    Auf nach England!Ich hatte alle Jury-Romane gelesen und mir den Ankauf mit einer Freundin geteilt, Am Schluss teilten wir auch die Beute auf, so dass ich nicht alle Bücher habe. In Kanada habe ich mir einige dann auf Englisch nachgekauft, das Problem war allerdings die Übersetzung der Titel. Die Originaltitel beinhalten immer Namen von Wirtshäusern, während im Deutschen die Titel fast ohne Bezug zum Inhalt heißen "Inspektor Jury tut dies und das".

    Nun hat Grimes sich doch wieder der Jury-Reihe zugewandt und ich habe mir sofort die gebundene Ausgabe von "Inspektor Jury und die Frau in Rot" gekauft. Herbe Enttäuschung, es ist wie Tee aus Blättern, die schon einmal aufgebrüht wurden. Ich habe das Buch dann auch der Freundin mit der anderen Hälfte unsere Jury-Romane geschenkt.

    Nun bin ich doch dabei, die alten Bücher wieder zu lesen, diesmal in der richtigen Reihenfolge. Es macht auch Spaß, aber ein paar Dinge fallen mir nun verstärkt auf, zum Beispiel, wieviel in den Romanen geraucht und getrunken wird, ohne dass die Hauptpersonen jemals betrunken oder die Räume verqualmt wären.

    Wie gut, dass ich mich nicht erinnern kann, wer jeweils der Mörder war.


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  •  

    FerienlektüreEin überaus belesene Freundin machte mich kürzlich auf Mechtild Borrmann aufmerksam, deren Kriminalromane in Kleve und sogar Kranenburg spielen. Trotzdem sind es keine Regionalromane und auch sehr viel mehr als Kriminalromane. Ich habe mir also zuerst das Buch geholt, das in Kranenburg spielt, sogar Nütterden wird erwähnt. Die Autorin kennt sich da aus, sie ist in Kleve aufgewachsen. Wahrscheinlich hat sie zwei Jahre nach mir an der gleichen Schule Abitur gemacht, ich muss das mal recherchieren.

    Also, das Buch heißt "Wer das Schweigen bricht", und ich habe damit begonnen wegen Kranenburg, wegen des Themas und weil es den deutschen Krimipreis bekommen hat. Danach habe ich noch "Mitten in der Stadt" gelesen und habe mir gestern das nächste Buch in meiner Kranenburger Buchhandlung geholt: "Morgen ist der Tag nach gestern".

    Im November kommt Mechtild Borrmann nach Goch zu einer Lesung, da würde ich sie gern kennenlernen. Über ihre Arbeit hat sie sich ausführlich in einem Interview geäußert.

    "Rompre le silence" habe ich jetzt einem französischen Freund geschenkt, der heute Geburtstag hat und der oft bei mir in Kranenburg war. Manchmal liebe ich Amazon.


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  • Der vollständige Text mit Anmerkungen.

    Eine Stelle aus Rousseaus Werk ›Julie ou la Nouvelle Héloïse‹ hat Kleist als Vorlage benutzt und überspitzt, so dass es die braven Schüler gruselte, die diese inzestartige Szene lesen mussten.

     

    "Sie vernahm, da sie mit sanft an die Tür gelegtem Ohr horchte, ein leises, eben verhallendes Gelispel, das, wie es ihr schien, von der Marquise kam; und, wie sie durchs Schlüsselloch bemerkte, saß sie auch auf des Kommandanten Schoß, was er sonst in seinem Leben nicht zugegeben hatte. Drauf endlich öffnete sie die Tür, und sah nun – und das Herz quoll ihr vor Freuden empor: die Tochter still, mit zurückgebeugtem Nacken, die Augen fest geschlossen, in des Vaters Armen liegen; indessen dieser, auf dem Lehnstuhl sitzend, lange, heiße und lechzende Küsse, das große Auge voll glänzender Tränen, auf ihren Mund drückte: gerade wie ein Verliebter! Die Tochter sprach nicht, er sprach nicht; mit über sie gebeugtem Antlitz saß er, wie über das Mädchen seiner ersten Liebe, und legte ihr den Mund zurecht, und küßte sie. Die Mutter fühlte sich, wie eine Selige; ungesehen, wie sie hinter seinem Stuhle stand, säumte sie, die Lust der himmelfrohen Versöhnung, die ihrem Hause wieder geworden war, zu stören. Sie nahte sich dem Vater endlich, und sah ihn, da er eben wieder mit Fingern und Lippen in unsäglicher Lust über den Mund seiner Tochter beschäftigt war, sich um den Stuhl herumbeugend, von der Seite an. Der Kommandant schlug, bei ihrem Anblick, das Gesicht schon wieder ganz kraus nieder, und wollte etwas sagen; doch sie rief: o was für ein Gesicht ist das! küßte es jetzt auch ihrerseits in Ordnung, und machte der Rührung durch Scherzen ein Ende. Sie lud und führte beide, die wie Brautleute gingen, zur Abendtafel, an welcher der Kommandant zwar sehr heiter war, aber noch von Zeit zu Zeit schluchzte, wenig aß und sprach, auf den Teller niedersah, und mit der Hand seiner Tochter spielte."

    Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-marquise-von-o-1-580/1

     


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