• Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 293

     

    Früchte

    Aber was der griechischen Landschaft ihre Physiognomie verleiht, ist nicht die Baumwelt, sondern das kurzbeinige Geschlecht der Sträucher und Büsche, das die Lehnen der Mittelgebirge und ihre Vorhügel, die Felsen der Küsten, die Ränder der Schluchten und alle Wasserrinnen das ganze Jahr hindurch mit leuchtendem Blattgrün bekränzt und im Frühling mit zahllosen Sträußen milchweißer und rosenroter, goldgelber und feuerfarbener Blüten bestreut. Dem Apoll war der Lorbeer heilig, dem Dionysos der Efeu, der Aphrodite die Myrte. Sie schmückte schon im grauesten Altertum die Braut, fand aber auch prosaischere Verwendung als Digestiv und als Zutat der leckeren Myrtenwurst. Auch der Lorbeer wurde als Würze der Saucen und Ruhmestaten schon ebenso überschätzt wie 596 heutzutage. Unter den obsttragenden Gewächsen waren für die Griechen nur Feigenbaum, Weinstock und Ölbaum von größerer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Birnen und Äpfel gediehen schlecht. Der Apfel des Paris ist ein Granatapfel; aber auch diese Frucht war mehr zur Augenweide vorhanden, denn sie gelangt nur in östlicheren Gegenden zu ihrem vielgepriesenen Wohlgeschmack. Pflaume und Kirsche wurden nicht veredelt; auch der Nußbaum wuchs meist wild. Die goldenen Äpfel der Hesperiden waren Quitten. Diese sind in ganz frischem Zustand nicht gerade ungenießbar; aber manche griechischen Köche verstanden es bereits, aus ihnen durch Zusatz von Wein und Honig köstliche Konfitüren zu bereiten. Die Dattelpalme, die sehr viel Hitze verträgt, aber auch sehr viel Feuchtigkeit verlangt (der Araber sagt: sie taucht ihr Haupt in Feuer und ihre Füße in Wasser), bringt in Griechenland keine Früchte mehr hervor und wurde dort nur als bestaunte Kuriosität gepflanzt: an einigen Heiligtümern, unter anderem auf der Insel Delos zu Ehren Apolls; Palmzweige dienten als Siegeszeichen. Odysseus, der auch als gestrandeter Bettler ein vollendeter Kavalier bleibt, begrüßt Nausikaa mit dem ausgesuchten Kompliment, sie flöße ihm die gleiche Bewunderung ein wie der »Sproß des Phoinix« auf Delos, »denn nicht trägt ein solches Gewächs sonst irgend die Erde«.

    Dem Feigenbaum hingegen sagte das trockene Klima Griechenlands gerade besonders zu. Die Griechen liebten seine Früchte leidenschaftlich und erzählten sich, Xerxes habe sich täglich attische Feigen vorsetzen lassen, um daran erinnert zu werden, daß das Land, das sie hervorbringe, noch nicht sein sei. Er hätte sie aber in noch weit vorzüglicherer Qualität aus Smyrna bekommen können, das ihm bereits gehörte. Es gab zwei Hauptsorten, die schwarzen und die weißen, die aber eigentlich dunkelrot und grünlich waren. Die süßeren weißen eigneten sich mehr zum Trocknen, die schwarzen wurden meist 597 frisch verzehrt. Die wilden Arten wucherten malerisch aus den Spalten alter Mauern und verwitterter Felsen.

    Von den Weinen gab es zahllose Sorten. Sie waren, mit Ausnahme der gewöhnlichen Landweine, sehr schwer und feurig und meist süß; als die edelsten galten die Inselmarken. Schon den Kindern gab man Wein; Phoinix, der den kleinen Achilleus aufzieht, schneidet ihm das Fleisch vor und reicht ihm den Becher an den Mund, aber der Heros, der schon damals recht ungebärdig war, spuckt das Getränk wieder aus. Um die Weine haltbarer zu machen, versetzte man sie mit allerlei Zutaten, die für unsere Geschmacksbegriffe etwas befremdend sind: Zypressennadeln, zerriebene Myrtenbeeren, Galläpfel; vor allem harzte man sie sehr stark, und dies tut der Grieche noch heute. Doch erklären eingelebte Reisende, daß man später nicht versteht, wieso man den griechischen Wein ungenießbar finden konnte. Die Alten kannten auch schon den Essig; man erzeugte ihn, indem man einfach Wein an der Luft sauer werden ließ. Er hieß oxos (die Russen gebrauchen noch heute das Lehnwort uksus), und wie bekannt er war, zeigen die vielen Ableitungen und Zusammensetzungen im Griechischen: »Essigflasche«, »Essighändler«, »Mischung aus Öl und Essig«, »Trank aus Honig und Essig«, »nach Essig schmecken« und andere; einen Menschen mit einem sauren Gesicht nannte man oxynes. Man verwendete den Essig auch schon zum Einlegen, desgleichen das Öl. Andere bereits im Altertum übliche Konservierungsmethoden waren das Räuchern, das Einsalzen und der Luftabschluß. Die Korinthe, eine kernlose Rebenart, heute einer der wichtigsten griechischen Exportartikel, ist unantik. Sie führt ihren Namen daher, daß sie zuerst von den Venetianern bei Korinth gezüchtet wurde, und kann unter der ewigen griechischen Sonne gleich an Ort und Stelle getrocknet werden.


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  • Am Sonntag (11. 09.) ist Tag de offenen Denkmals. In Kleve kann man sich bei der Gelegenheit ein paar Villen und Gärten ansehen.Klever Gärten

    Und auch das Guerilla-Gardening hat Kleve erreicht. An der Brabanterstraße gibt es das erste Beet.Klever Gärten

    Die Minoritenkirche an der Kavarinerstaße hat ebenfalls einen Garten.  Hier ist die Bepflanzung dem Orte angepasst.

    Klever Gärten


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  • Emile Zola: Der Bauch von Paris

    Erstes Kapitel

     Karren Inmitten der tiefen Stille zogen durch die menschenleere, ansteigende Allee die Karren der Gemüsegärtner nach Paris mit dem gleichmäßigen Kreischen ihrer Räder, dessen Widerhall an die Mauern der Häuser schlug, die zu beiden Seiten der Straße hinter den verschwommenen Linien der Ulmen in nächtlicher Ruhe dalagen. An der Brücke von Neuilly waren ein Karren Kohl und ein Karren Bohnen zu den acht Karren weißer und gelber Rüben gestoßen, die von Nanterre kamen; die Pferde gingen allein gesenkten Kopfes mit ihrem ausdauernden, trägen Schritt, den der ansteigende Weg noch verlangsamte. Auf ihrer Gemüseladung oben, zugedeckt mit ihren schwarz und grau gestreiften Mänteln, schlummerten die Kärrner mit den Zügeln in der Faust. Trat ein Wagen aus einem in Schatten liegenden Straßenabschnitt heraus, dann beleuchtete das Gaslicht die Nägel eines Schuhes, den blauen Ärmel einer Bluse, die Spitze einer Mütze mitten unter den riesigen Bündeln roter und weißer Rüben, dem überquellenden Grün der Bohnen und der Kohlköpfe. Und auf der Straße wie auf den benachbarten Wegen, vorwärts und rückwärts kündigte das ferne Knarren von Fuhrwerken gleiche Züge an, einen ganzen Markt, der durch die Dunkelheit und den Schlaf der zweiten Morgenstunde sich bewegte und die im Schatten liegende Stadt in dem Geräusch dieses Zuges von Nahrungsmitteln wiegte. (...)

    In den großen, bedeckten Gängen ward es immer lebendiger. Längs der Fußwege an den beiden Rändern legten noch immer Küchengärtner, kleine Landwirte aus der Umgebung von Paris, auf Körben ihre Ernte vom gestrigen Abend zum Verkauf aus, einige Bunde Gemüse, einige Handvoll Obst. Inmitten des unaufhörlichen Kommens und Gehens der Menge fuhren Wagen unter den Gewölben ein und verlangsamten den widerhallenden Trab ihrer Pferde. Zwei dieser Wagen, die man in die Quere gestellt und so gelassen hatte, versperrten den Weg. Um vorbeizukommen, mußte Florent sich auf einen der grauen Säcke stützen, die Kohlensäcken glichen und unter deren ungeheuerer Last die Achsen sich bogen. Diese feuchten Säcke hatten einen Geruch von frischem Seegras; der eine war an einem Ende geplatzt, ihm entquoll ein Häuflein schwarzer Miesmuscheln. Sie mußten jetzt bei jedem Schritte stille stehen. Die Seefische kamen an; die Rollwagen folgten einander und führten hohe Holzkäfige herbei, voll mit Körben, welche die Eisenbahnen schwer beladen vom Meere herbefördert hatten. Vor den immer dichter eintreffenden Seefischkarren flüchteten sie unter die Räder der Butter, Eier und Käse führenden Wagen, große, gelbe, vierspännige Fuhrwerke mit farbigen Laternen; kräftige Arme hoben die Eierkisten, die mit Butter und Käse bepackten Körbe ab und trugen sie nach dem Ausrufpavillon, wo Beamte in Dienstkappen die anlangenden Waren bei dem Gaslichte in kleinen Heften verzeichneten. Claude war entzückt über diesen Lärm; bei einer neuen Lichtwirkung, bei einer Gruppe von Trägern, bei dem Abladen eines Karrens konnte er längere Zeit verweilen. DahlienEndlich rissen sie sich los. Da sie noch immer den großen Mittelweg entlang schritten, gingen sie inmitten eines köstlichen Duftes, der sie umschwebte und ihnen zu folgen schien. Sie befanden sich auf dem Blumenmarkte. Auf den Quadern rechts und links saßen Frauen mit viereckigen Körben, die mit Rosen-, Veilchen-, Dahlien- und Maßliebchensträußen gefüllt waren. Die roten Rosen dunkelten wie Blutflecke, die weißen schimmerten in zartem Silbergrau. Neben einem dieser Körbe war eine Kerze angezündet, die auf all das Schwarze ringsumher helle Töne warf, die bunten Farben der Vergißmeinnichte, das Blutrot der Dahlien, das Blau der Veilchen, die helle Fleischfarbe der Rosen. Man konnte sich nichts Lieblicheres, nichts Lenzhafteres denken, als das Zarte dieses Duftes, dem man auf einem Fußweg begegnete, nach den scharfen Gerüchen der Seefische und dem Mißduft der Käseabteilung.

    Claude und Florent machten kehrt und verweilten unter den Blumen. Neugierig blieben sie vor den Frauen stehen, die regelmäßig gebundene Farrenkraut- und Weinlaubbüschel verkauften. Dann bogen sie in einen fast noch menschenleeren Gang ein, wo ihre Tritte widerhallten wie unter dem Gewölbe einer Kirche. Biedere DahlienHier fanden sie einen kleinen Karren, mit einem ganz kleinen Esel bespannt, der sich ohne Zweifel langweilte und so laut und ausdauernd zu brüllen anfing, daß das Riesendach der Hallen davon erzitterte. Pferdegewieher antwortete darauf. In der Ferne hörte man ein Stampfen, ein Getöse, das anstieg, vorüberzog und sich wieder verlor. Gegenüber in der Hirtenstraße zeigten die weit geöffneten, kahlen Läden im grellen Gaslichte Haufen von Körben und Früchten zwischen den drei schmutzigen Mauern, die mit Rechnungen über und über bedeckt waren, die man mit dem Bleistifte darauf gekritzelt hatte. Während sie da standen, sahen sie eine fein gekleidete Dame, die in seliger Erschlaffung, in die Ecke eines Fiakers gedrückt saß, der durch dieses Gewühl von Menschen und Fuhrwerken sich gleichsam hindurchstahl.

    Aschenbrödel kehrt ohne Pantoffel heim, sagte Claude lächelnd.


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  • Il faut cultiver son jardinDer Fingerhut

    Nikolaus Lenau


    Hast du noch immer nicht gefunden den teuren, teuren Fingerhut,
    Um den du plötzlich aufgesprungen
    Und meinen Armen dich entrungen?
    Ich ließ dich fahren mit verbißner, doch wahrlich nicht geringer Wut.
    War ich ein Forscher, sprach ich trocken:
    Indes du 's Hütlein suchst erschrocken,
    Such ich, worauf das Herz des Weibes, das wandelbare Ding, beruht?
    War ich ein Schwärmer, rief ich fluchend:
    O wär ich doch, den Rhein besuchend,
    Ertrunken in den tiefsten Wirbeln der weitverrufnen Bingerflut!
    Als Egoiste würd ich sprechen:
    Das Hütlein schützt sie vor dem Stechen,
    Ich wills mit meinem Herzen halten, wie sie mit ihrem Finger tut,
    Ich leg ans Herz, daß sie's nicht raube,
    Mir eine Sturm- und Pickelhaube,
    Das ist für ihre Liebesblicke, die scharfen Herzdurchdringer, gut.
    Doch bin ich nichts davon und sage:
    Such überall herum und frage;
    Kannst doch das Meer nicht meiner Liebe ausschöpfen mit dem Fingerhut,
    Hat die Romantik deiner Liebe auch Platz in einem Fingerhut.

     

     


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  • ... trübt sich langsam, es regnet aber noch nicht.

    Und hier für die Ostseefreunde, die auf die Tulpenblüte warten, ein Bild der Vergänglichkeit:

    Il faut cultiver son jardin  

    Il faut cultiver son jardin

     

     

     


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