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Annette von Droste-Hülshoff

Biedermeierliche Frisur statt offenem HaarHochgeschätzt im Münsterland und beliebt überall im Lande, begehen wir in diesem Januar den 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff. Die Deutsche Post hat dazu eine Sondermarke herausgebracht mit dem Gemälde von Johann Sprick und einem ziemlich verstümmelten Gedichtzitat.

 

Am Turme

 Annette von Droste-Hülshoff (1842)

Ich steh' auf hohem Balkone am Turm,

Umstrichen vom schreienden Stare,

Und lass' gleich einer Mänade den Sturm

Mir wühlen im flatternden Haare;

O wilder Geselle, o toller Fant,

Ich möchte dich kräftig umschlingen,

Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand

Auf Tod und Leben dann ringen!

 

Und drunten seh' ich am Strand, so frisch

Wie spielende Doggen, die Wellen

Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,

Und glänzende Flocken schnellen.

O, springen möcht' ich hinein alsbald,

Recht in die tobende Meute,

Und jagen durch den korallenen Wald

Das Walroß, die lustige Beute!

 

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn

So keck wie eine Standarte,

Seh auf und nieder den Kiel sich drehn

Von meiner luftigen Warte;

O, sitzen möcht' ich im kämpfenden Schiff,

Das Steuerruder ergreifen,

Und zischend über das brandende Riff

Wie eine Seemöve streifen.

 

Wär’ ich ein Jäger auf freier Flur,

Ein Stück nur von einem Soldaten,

Wär’ ich ein Mann doch mindestens nur,

So würde der Himmel mir raten;

Nun muß ich sitzen so fein und klar,

Gleich einem artigen Kinde,

Und darf nur heimlich lösen mein Haar,

Und lassen es flattern im Winde!

 

 

 

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H
Arme Annette! Zumindest sind Schulen nach ihr, dem artigen Kinde,  benannt worden, immerhin ... und das ist besser als den Namen eines Soldaten zu tragen, nicht wahr!
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